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johann gottfried zeidler
(1655 fienstedt–1711 halle a.d. saale)
„von den evangelischen pfarrherrn fienstedts hat sich vor allen johann gottfried zeidler einen namen gemacht.…er war der sohn und zuletzt substitut gottfried zeidlers, der von 1655 bis 1699, davon viele Jahre erblindet, das heilige amt verwaltete.

johann gottfried ist am 14. September 1679 ordiniert worden, er, der wittenberger poeta laureatus, der gekrönte dichter! daß er als auktionator in halle sein leben beenden würde, hätte ihm damals wohl niemand prophezeit.

aber der einstige jenaer student war wohl wenig zum pfarrer geeignet, er zog schon früher ein freies, schweifendes leben der bindung an das dogma vor und war ehrlich genug, sich 'aus allerhand scrupeln und besonderen meinungen' des pfarramtes zu entschlagen und nach halle zu gehen und dort als privatmann und schließlich als universitätsauktionator bis zu seinem jähen tode im jahre 1711 zu leben - und zu schreiben.

was er hinterließ, ist das denkmal eines bis zur abgeschmacktheit ätzenden und spöttischen geistes, eines menschen mit hoher begabung, 'von großem ingenium' sagt der hallische chronist dreyhaupt, der ihn auch einen 'großen autodidactus' nennt. sein humoriger spott über die menschen und ihre schwächen, besonders über gelehrtenbeschränktheit und akademiendünkel hat jean-paulsche farbe, aber er ward ein opfer seiner eigenen schwächen: in ausschweifungen und zügellosigkeiten vertat er die gesunde kraft; was blieb, reichte für ein eben fünfzig-jähriges leben ohne nachruhm.

schließlich schnappte er über. man sagt, er habe dr. luthers tintenfaß besessen und benutzt, habe sich geweigert, dieses fortzugeben, unerachtet ihm viel geld dafür geboten wurde und er selber fast nie welches besaß. es solle kein mißbrauch damit getrieben werden, war sein einwand. als warmer verehrer des großen thomasius beschäftigte er sich mit dessen schriften, verteidigte ihn auch gegen widrigkeiten, die ihm die 'unversteht zu abel' (universität halle) bereitete, und übersetzte seine 'grundlehren des natur- und völkerrechts' ins deutsche.

er schrieb über wünschelruten, buchbinderphilosophie, über lesekunst, allwisserei, geisterei, verfaßte eine über-naturlehre, trug eine hallische chronik zusammen, deren handschrift noch vorhanden ist, und hinterließ auch seiner heimat ein geschichtswerkchen, den 'achthundertjährigen stammbaum der grafen von mansfeld'" vorn 880. bis zum 1703. jahre, in dessen zweigen der forscher freilich nur mit vorsicht herumklettert, will er nicht gefahr laufen, auf trockene äste zu treten und abzustürzen im gewirre der grafenlinien und der zu Zeiten zahllosen nachkommenschaften.“
[aus: erich neuß, wanderungen durch die grafschaft mansfeld, 1938]
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elisabeth susanna zeidler
(1657 fienstedt–1706 detershagen/schermen)
„glücklicher als dieser ehrliche, aber haltlose vernunftmensch lebte seine gelehrte schwester, elisabeth susanna zeidler. eine gute poetin ist sie gewesen; für den damaligen geschmack versteht sich, und ihr "jungferlicher zeitvertreib", den sie 1686 in leipzig drucken ließ, war wohl schon nicht für alle ihre geschlechtsgenossinnen ein solcher. sie gab jungfernstand und dichten auf, als sie sich 1686 mit dem prediger andreas haldensleben zu detershagen vermählte.“
[aus: erich neuß, wanderungen durch die grafschaft mansfeld, 1938]
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karl heinrich jördens
(1757 fienstedt–1835)
„seltsamer zufall, daß ebenfalls im fienstedter pfarrhause ein menschenschicksal seinen lauf und ausgang genommen hat, das in gar vielem dem absteigenden wege gottfried zeidlers ähnelt.

freilich verklärt zeidlers bescheidenes skribentendasein das humorige leuchten seines nicht unguten spöttergemütes; karl heinrich jördens dasein widerfuhr solche gnade nicht.

am 24. april 1757 als sohn des ortsgeistlichen geboren, wurde er 1784 subrektor arn cöllnischen gymnasium in berlin, klassischer philologe von ruf, war seit 1791 inspektor und mitdirektor des bunzlauer waisenhauses, das er mangels wirtschaftlicher zucht und verträglichkeit in verruf brachte, bis er als leiter des laubaner gymnasiums 1796 ein amt erhielt, das seine umsicht fortan weniger auf die probe stellte, ihm aber muße für seine in mancher hinsicht verdienstliche tätigkeit ließ.

man mußte ihn mit 68 Jahren in den ruhestand versetzen. das verbitterte ihn so, daß er seine großen literaturgeschichtlichen stoffsammlungen ins feuer warf. schlimmeres kam hinzu: wirtschaftliche nöte, da er 17 kinder aufzuziehen und zu versorgen hatte; eine anklage seiner eigenen tochter, die wohl grundlos war; denn die gerichtliche untersuchung führte zu nichts - dann war seine kraft zu ende, und er endete am 6. dezember 1835 durch selbstmord.“ [aus: erich neuß, wanderungen durch die grafschaft mansfeld, 1938]
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johann gottfried zeidler
*1655 fienstedt
†1711 halle a.d. saale
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elisabeth susanna zeidler
*1657 fienstedt
†1706 detershagen/schermen
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johann beer
*1655 st. georgen im attergau
†1700 weißenfels
lebte von 1675-1680/85 in halle a.d.saale
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christian reuter
*09.10.1665 kütten b. halle a.d.saale
†1712 (?)
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karl heinrich jördens
*1757 fienstedt
†1835
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