| halle-hettstedter-eisenbahn (hhe) (1893-1969) |
| diese festschrift wurde bei einer veranstaltung am 03.01.1997 auf dem halleschen marktplatz verteilt |
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Am 4. Juni 1893 fand in Schwittersdorf eine Interessenversammlung statt, die vom damaligen Oberbürgermeister der Stadt Halle, Staude, ausging. Hier wurde der Bau einer Eisenbahn von Halle über Schwittersdorf, Polleben, Gerbstedt nach Hettstedt beschlossen.
In einer Denkschrift hieß es dazu:
"Seit langer Zeit ist es von den beteiligten Kreis.- und Gemeindebehörden sowie von Interessenten in steigendem Maße als eine Mangel empfunden worden, daß der landwirtschaftlich hochentwickelte Mansfelder Seekreis ungenügend mit Eisenbahnen bedacht ist und besonders, daß es an einer direkten Verbindung dieses Kreises und der östlich an ihn grenzenden, industriereichen Teile des Saalkreises mit der Stadt Halle, dem wirtschaftlichen Verkehrsmittelpunkt dieser Gegend, fehlt."
Für den Bau der Halle-Hettstedter Eisenbahn benötigte man vier Millionen Mark, die allerdings nicht allein vom einheimischen Kapitalmarkt aufgebracht werden konnten. Doch man fand eine auswärtige Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft, die die fehlenden Gelder einbrachten und so stand dem Bau der neuen Eisenbahn nichts mehr im Wege.
1894 begannen die Bauarbeiten zur HHE unter Regie einer Aktiengesellschaft. Die Bauausführung oblag dem Unternehmen Lenz & Co. Die Vollendung und Erstbefahrung war am 20. Mai 1896. Von der 45 km langen Strecke zwischen Halle-Klaustor und Hettstedt verliefen nur acht Kilometer im damaligen Saalkreis, der größte Teil durchfuhr den Mansfelder See- bzw. Gebirgskreis.
Der Ausgangspunkt der Strecke lag am heutigen halleschen Karstadt-Warenhaus (Bahnhof Klaustor). Die Saale wurde entlang der Mansfelder Straße überquert, dann lief die Trasse quer über das Gelände des heutigen Halle-Neustadt. Ab Nietleben ist sie mit der S-Bahn-Linie nach Dölau identisch. Die Salzmünder Nebenbahn wurde ohne Verbindungsgleis überbrückt, das Salzatal durch einen nach Süden geschwungenen Bogen überwunden.
Beim Bau der neuen Eisenbahnlinie waren an vielen Stellen besondere Schwierigkeiten zu überwinden. So mußte das Überschwemmungsgebiet der Saale nach Nietleben überbrückt werden. Vier Brücken mit insgesamt 500 m Länge waren dazu nötig. Außerdem erhielt die HHE zwischen Benkendorf und Fienstedt sowie zwischen Polleben und Gerbstedt an mehreren Stellen bei einer Steigung von 1:40 den Charakter einer Gebirgsbahn. Trotzdem konnten die Arbeiten in dem kurzen Zeitraum abgeschlossen werden. Am 22. Mai 1896 nahm die HHE ihren Betrieb auf.
Neben einem starken Güterverkehr gab es von Anfang an ein großes Aufkommen an Reisenden, zu denen auch Ausflügler gehörten, die die Dölauer Heide besuchten. So konnte der Hallenser für 25 Pfennig in einem Wagen 3. Klasse (40 Pf 2. Klasse) in die Heide fahren. Die 45 km Halle-Hettstedt kosteten 1,80 RM, mit Rückfahrt 2,70 RM. Ein alter Fahrplan aus dem Jahre 1913 weist nach, daß es damals schon auf dieser Strecke einen Fern- und Vorortverkehr gab. Täglich fuhren 5 Zugpaare zwischen Halle und Hettstedt. Im Vorortverkehr Halle-Dölauer Heide wurde werktags zwischen 4.35 Uhr und 7.05 Uhr und von 18.00 Uhr bis 19.20 Uhr alle 20 Minuten gefahren. In den Zwischenzeiten gab es 40- bis 60-Minuten-Verkehre. Alle Züge fuhren mit Wagen der 2. -4. Wagenklasse. Im Güterverkehr waren Kohle, Zement, Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben und Düngemittel die hauptsächlichen Transportgüter.
Ein wesentlicher Mangel der Halle-Hettstedter Eisenbahn bestand darin, daß in Halle keine öffentliche Anbindung an das Netz der Staatsbahn existiert. Zwar gab es eine Schienenverbindung über die Hafenbahn, doch nicht für den Personenverkehr. Sowohl in den dreißiger, als auch in den fünfziger Jahren sollte der Zugang zur Kasseler Bahn geschaffen werden, doch es scheiterte jedesmal an Finanzierungsproblemen.
Am Ende des 2. Weltkrieges im März und April 1945 erlitt auch die Halle-Hettstedter Eisenbahn noch Kriegsschäden durch Beschuß und Fliegerangriffe an den Bahnanlagen. Der Verkehr mußte infolge der Kampfhandlungen teilweise gänzlich eingestellt werden. Wegen der Kriegsschäden an den Brückenbauwerken über die Saale in Halle wurde festgelegt, daß die Züge der Halle-Hettstedter Eisenbahn vorübergehend am Lokomotivschuppen Mansfelder Straße beginnen und enden sollen. Entsprechend sah der Fahrplan 1945 aus. Erst ab 1948 ging es schrittweise wieder aufwärts und die Zugfolge wurde wieder dichter. 1950 wurde die Halle-Hettstedter Eisenbahn der Deutschen Reichsbahn angeschlossen.
Die Errichtung von Halle-Neustadt von Halle-Neustadt ab 1964 erforderte eine Neuordnung der Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Saaleufern. Anfang März 1968 legte man den Streckenabschnitt Klaustor Heiligenthal still und begann sofort mit dem Abriß des Bahnhofes Klaustor und der Gleise bis Nietleben. 1968/69 erfolgte die Bedienung der Strecke Halle-Heiligenthal mit Bussen, danach wurde sie gänzlich eingestellt. Im halleschen Raum gingen 1970/71 Teile der Strecke in das S-Bahn-Netz über. Am anderen Ende der Linie zwischen Hettstedt und Heiligenthal verkehren nach wie vor fahrplanmäßige Züge.
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