| weinbau |
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| weinberge und wüstungen |
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„salzke- und saaletal bei salzmünde sind vor undenklichen zeiten die abflußrinne der unstrut gewesen, ehe diese den memleben-wangener höhenzug an der steinklöbe durchbrach. an die landschaft dieses thüringischen flusses erinnern uns die steilen, nicht eben bedeutenden hänge, mit denen die mansfelder hochfläche zwischen pfützthal und zaschwitz zur saaleaue hin abbricht. es ist ein stilles bild, fast einförmig zu nennen, der gerade höhenrand, die gleichmäßig von wasserrissen und schuttrillen gefurchten lehden, nur gelegentlich von tieferen schluchten und schründen unterbrochen: der vorderklook, der hinterklook und der deisteigrund sind die größten und tragen daher namen.
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wanderer nach wettin gehen selten den Weg am fuß der gödewitz-fienstedter saalberge, die heute eine einzige gepflegte obstpflanzung sind. verwitterung und regen haben große massen lehmerde von den höhen herabgespült, der frost hat die bänke und schichten des weißen sandsteins zerklüftet und zersprengt, es mögen einst auf alten talterrassen auch reste von auenlehm abgelagert worden sein. so sind die hänge stellenweise mit fruchtbarem erdreich bedeckt, der gegebene pflanzboden für pflaumen, kirschen, äpfel.
wir wandern bald unter blühenden bäumen im grunde, bald auf dem freien höhenrand zwischen acker und anger. köstlich ist der blick von hier oben auf döblitz im saalkreis, auf die höhen und berge von brachwitz bis wettin, das auge schwingt vom baumbekränzten hünengrab auf dem brachwitzer schloßberge bis zum dunkel bewaldeten schweizerling oberhalb der einstigen bergstadt wettin, über die bereiteten und bestellten fluren, über den glänzenden strom, dahinter breite streifen goldgelben rapses, während in den steileren talwänden steinbrüche tiefrotbraun leuchten im dunkleren rahmen ihrer rasigen umgebung, bis am horizont dörfer auftauchen, kirchtürme, gehölze, baumreihen, feldscheunen und mühlen, deren flügel sich im frühlingswinde drehen.
eine liebliche pflanzenwelt wächst auf den pfützthaler und fienstedter saalbergen: das hungerblümchen, die wolfsmilch, tausendschön, reiherschnabel und habichtskraut... die Farbe des weichen bunten sandsteins, der diese hänge aufbaut, ist anfangs - bei pfützthal - blendend weiß, später grau, um sich in den zaschwitzer bergen ins rötliche zu verändern. wertvollen baustein gaben einst die harten rogensteinbänke, die in kleinen brüchen ausgebeutet wurden, so für die st. johannes-kirche zu pfützthal, aber auch für die weinbergshäuschen oder vielmehr höhlen, die bald hinter dem deistelgrund das ehemalige fienstedter weinbaugebiet kennzeichnen.
hier in den gehängen südlich von zaschwitz sind die oberen schichten des unteren buntsandsteins in reicher abwechselung von roten und grünen, teils mehr, teils weniger glimmerreichen lettenschiefern mit sandstein bänken besonders schön zu beobachten und in einem steinbruche im deisteigrund aufgeschlossen. einige verwilderte reben, verlassene stützmauern, eine bergtreppe aus sandsteinstufen, wilde erdbeeren, zahlreiche fette weinbergschnecken, massenhaft leere schneckenhäuser als letzte zeugen unzähliger generationen, die hier in sommer und sonne und milder trockenheit ihr kleines leben lebten, - ein stilles, wenig beachtetes, selten empfundenes landschaftsbild von zärtlichen reizen. ihm ist der smaragdgrüne teppich der fetten saatäcker in der weiten saalaue zu füßen gelegt.
die verlassenen bergkeller, die wohl vor fünfzig und mehr jahren die letzte lese sahen und nie mehr irgend ein winzergerät seitdem bargen, ähneln mit ihren erd- und rasendecken festungsblockhäusern, aber der gemüthafte zauber, der um diese erdhöhlen spinnt, ist es, der zu herzen spricht, nicht der militärische eindruck:
im weinberg auf der höhe
ein häuslein steht so windebang,
hat weder tür noch fenster;
die weile wird ihm lang.
(mörike)
über den nun unverwahrten eingängen sind inschriften eingehauen:
j (ohann) g (ottfried) h (öpfner) j (ohann) p (icht) anno 1828 1858
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