banner
bergbau
chronologie des begbaus im mansfelder land
Der Braunkohlenabbau im Mansfelder Land reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der älteste geschichtlich belegte Abbau erfolgte ab 1691 in einem von einem Freiherren von Knyphhausen gegründeten Bergwerk bei Langenbogen. Die Grafschaft Mansfeld war zu dieser Zeit sequestiert. Teile gehörten zu Kurbrandenburg (die sogenannte Magdeburger Hoheit), andere Teile waren kursächsisches Verwaltungsgebiet.

Natürlich sind die damaligen Bergwerke in keinster Weise mit heutigen Tagebauen vergleichbar. Der Abbau erfolgte meist im wahrsten Sinne des Wortes in Gruben. In anderen Fällen wurden Schächte geteuft oder Stollen getrieben und die Kohle im Tiefbau gewonnen. Die Gruben existierten meist nur wenige Jahre. Dann waren die jeweiligen Lagerstätten erschöpft. Der Absatz erfolgte meist nur regional begrenzt in Form von Hausbrand und zur Versorgung der zahlreichen Ziegeleien und Zuckerfabriken im Mansfelder Land. Bestand hatte letztlich nur das Röblinger Revier im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und Ausbeutung der dortigen Lagerstätten zur Verarbeitung der stark bitumenhaltigen Kohlen in den zahlreichen Schwelereien, in mehreren Brikettfabriken und später auch in den Montanwachsfabriken der Riebeckschen Montanwerke. Die seit 1922 bestehende Montanwachsfabrik Amsdorf mit dem angegliederten Tagebau südlich von Amsdorf als Kernobjekt der ROMONTA GmbH ist das letzte Unternehmen im Mansfelder Land, in dem Braunkohle auch noch heute abgebaut und verarbeitet wird.


um 1600: Braunkohle wird in Helbra unter dem Pfarrholz vermutlich beim Vortrieb des Faulenseer Stollens entdeckt, weiterhin bei Eisleben im Bereich der heutigen Thälmannsiedlung beim Auffahren des Rißdorfer Stollens. Ein Abbau erfolgte nicht, da man in damaliger Zeit den Wert der Kohle nicht kannte. Die Stollen waren Teil des Mansfelder Kupferbergbaues.

1734: Kurbrandenburg erläßt das "Auflassungspatent", welches das freie Schürfen nach Bodenschätzen erlaubt. Es finden sich Bergwerke bei Fienstedt, Beesenstedt, Hedersleben und Langenbogen.

1741: Abbau von Braunkohle bei Erdeborn, Amsdorf, Stedten, Schraplau, Gorleben, Cöllme und Wils

1743: Die Glume, ein Bach im Norden Eislebens, spült am späteren Kupferschacht "Clotilde" (1879 geteuft) Braunkohle frei. Auch am Hutberg und an der Oberhütte nördlich von Eisleben wird Braunkohle gefunden.

1789: Königliche Gruben bei Langenbogen und Zscherben, die hauptsächlich zur Versorgung der halleschen Salinen betrieben werden. Beginn der Herstellung handgefertigter und über längere Zeit getrockneter, ziegelförmiger Naßformsteine. Es werden sogenannte Braunkohlenformanstalten gegründet, u.a. bei der Halleschen Pfännerschaft.

1796: Bergwerke bei Stedten und Unterröblingen

1796: Am Pfarrholz bei Helbra wird unter Leitung des Wettiner Bergamts ein Tiefbaubetrieb eröffnet. Nach dem Abteufen weiterer Schächte und Bohrungen zur Erkundung wurde festgestellt, daß zwei Lagerstätten existierten, welche durch einen ost-west-streichenden Sandrücken getrennt waren. Im südlichen Becken wurde ab 1796 im Bergwerk "Braune Caroline" unter Leitung des Gutsbesitzers Kerßenbrock die Kohle im Tiefbau abgebaut. Die Kohlenester erreichten stellenweise eine Mächtigkeit von zwölf Metern. In Richtung Ziegelrode wurde mit etwa 300 Metern der "Braune Caroline-Stollen" zur Entwässerung aufgefahren, der auch heute noch Wasser abgibt. Das Nordbecken wurde 1830 entdeckt. Justizrat Müller aus Klosterrode ließ eine Mutung anlegen. Der Abbau in der Grube "Anna" erfolgte im Tagebaubetrieb und wurde 1839 aufgenommen. Die Kohle erreichte Mächtigkeiten bis 18 Meter.

Ab 1850 verlagerte sich der gesamte Abbau ins Nordbecken, wo die Gewerkschaft "Anna" den östlichen, die Gewerkschaft "Braune Caroline" den westlichen Teil abbaute. Das Bruchbaugebiet des Südbeckens wurde wegen nachlassender Qualität aufgegeben. Um 1880 wurde nach Erschöpfung der Lagerstätte der Helbraer Kohlebergbau eingestellt.
1808: Die Grube "Louise" bei Teutschenthal wird aufgeschlossen und fördert bis 1894. Mit ihrer Schwelerei geht die Grube durch Pachtvertrag im Jahre 1876 in die Verwaltung der Riebeckschen Montanwerke über.

1809: Der Braunkohlenbergbau wird durch das "Westphälische Dekret" ins sogenannte Bergregal übernommen. Die Braunkohle wird mit dieser Bergbaufreiheit quasi rechtlich der Steinkohle gleichgestellt und der Braunkohlenbergbau dem Privatkapital geöffnet.

1809: Der Tagebau "Wilhemine" südwestlich von Röblingen nahe der heutigen Straße nach Erdeborn zu nimmt den Betrieb auf. Ab 1830 gehen eine Ziegelei (nach anderen Quellen vor 1800) und eine Glashütte in Betrieb. Die Grube besteht bis ins Jahr 1860 (nach anderen Quellen bis 1905).

1809: Grube "Caroline" bei Wils

1810: Bis in dieses Jahr reichen die ältesten Aufzeichnungen der Grube "Emilie" bei Stedten zurück.

1814: Bergwerke bei Bennstedt, Schraplau und Eisdorf

1814: Zwischen Röblingen I und II beginnt nördlich der Bahnstrecke Halle - Kassel der Abbau im Tagebau "Adolf". Anfangs vor allem Röblinger Bauern gehörend, wurde die Grube später von den Riebeck-Werken aufgekauft. Die dazugehörige Brikettfabrik stand auf dem Gelände des heutigen Adolfteiches nahe dem Friedhof Unterröblingen. An die Anlage erinnern heute noch die im Volksmund sogennanten "Schachthäuser" am westlichen Ortseingang.

1818: Östlich von Polleben wird Braunkohle entdeckt. Der Abbau erfolgte erst ab 1847. Der Klostermansfelder Grubenbesitzer Voigt betrieb die Grube "Franziska" bis 1851 im Stollenbetrieb. Der Stollen wurde auf 150 Meter aufgefahren. Die Lagerstätte hatte sich in einem Erdfalltrichter gebildet und stellt eine Einmaligkeit im Mansfelder Revier dar, da die Entstehung nicht auf die Salztektonik im Zechstein, sondern auf die Auflösung von Gips im Buntsandstein zurückzuführen ist.

1830: Nördlich von Eisleben wird Braunkohle entdeckt, aber wegen schlechter Qualität nicht abgebaut.

1840: Die Grube "Kupferhammer" südlich von Röblingen nimmt mit Tage- und Tiefbau den Abbau auf.

1841: Mit zwei Schächten westlich von Eisleben nimmt die Grube "Schwarze Minna" den Betrieb auf. Die Kohle hatte einen hohen Ton- und Schwefelkiesanteil. Der Abbau wurde um 1862 eingestellt.

1842: Der Ziegeleibesitzer Doin eröffnet die Grube "Neue Hoffnung" bei Stedten.

1846: Ebenfalls von Doin gegründet wird der Tagebau "Rosalie" bei Stedten aufgeschlossen.

1847: Zwischen Röblingen und Alberstedt wird das Bergwerk "Laura" eröffnet und bis 1900 im Stollenbetrieb geführt. Zur Grube gehörte eine Ziegelei, später auch eine Schwelerei. Geliefert wurden Naßpreßsteine für den Hausbedarf sowie Kohle für die Schwelerei und eine Kalkbrennanlage am Sick. Dorthin wurde die Kohle mit einer Seilbahn befördert.

1850: Die Grube "Walter" bei Stedten nimmt den Betrieb auf.

1852: Die Grube "Hermann" teuft östlich von Eisleben einen Schacht. Durch starke Wasserzuflüsse kam es zu keinem Abbau.

1854: Die Stedtener Gruben werden zur "Walters Hoffnung" vereinigt.

1858: Der Berginspektor Carl Adolph Riebeck (1821 - 1888) wird durch Grubenpachtungen, später mit Schwelereien und Teerfabriken im Weißenfels-Zeitzer Kohlenrevier selbstständiger Unternehmer. Ab dem Jahr 1869 wandte er sich dem Oberröblinger Revier im Mansfelder Land zu.

1858: Nördlich von Röblingen, zwischen Dorf und dem Salzigen See, wird die Grube "Ottilie" eröffnet und ab 1869 von den Riebeck-Werken geführt. Anfangs wurden Rohkohle und Naßpreßsteine verkauft. Auf dem Gelände Seestraße 13 wurde später eine Schwelerei und am Ottilienweg 4 die erste Briketttrockenschnellpresse errichtet. 1885 ist die Grube durch Hochwasser der Waida ersoffen. Um 1890 war das Feld ausgekohlt, abgesehen davon, daß ein Schutzstreifen zum Salzigen See hin und die Seestraße selbst stehen bleiben mußten.

Die "Ottilie" heute: Aus dem Tagebaurestloch ist eine Heimat für zahlreiche Tiere und Pflanzen geworden. Auch Angler und Spaziergänger wissen die Atmosphäre rund um das Gewässer zu schätzen.

1859: Die Grube "Walpurgis" südwestlich von Volkstedt wird als Tagebau aufgeschlossen.

1860: Der "Kupferhammer" und die Nachbargrube "Zufall" werden als "Vereinigter Kupferhammer" zusammengeschlossen und ab 1869 von den Riebeck-Werken übernommen.

1871: Die Riebeck-Gruben "Ottilie" und "Vereinigter Kupferhammer" werden unter dem Namen "Ottilie - Kupferhammer" zum größten Förderbetrieb der Riebeckschen Werke vereinigt und entwickelte sich in den Folgejahren mit drei Tagebauen, einem Tiefbau (bis 1926), einer Großschwelerei (bis 1924), einer Mineralölfabrik (bis 1925), einer Montanwachsfabrik (bis 1928), einer Brikettfabrik, einer Ziegelei und einer Jahresförderung von 520 000 m3 Kohle (1888) zum größten Braunkohlenunternehmen in Deutschland. Nach dem Tod des Carl Adolph Riebeck wird das Familienunternehmen 1888 an ein Bankenkonsortium verkauft. Im Gesellschaftsvertrag war als Zweck des Unternehmens "die Gewinnung und Veräußerung der gewonnenen Bergwerksprodukte" und "die Herstellung von Paraffin, von Mineralölen und anderen Fabrikaten aus Braunkohle" festgelegt.

1876: Der Besitzer der Kalköfen am Sick, Roskowski, versuchte am Alberstedter Berg mit "Loobs Loch" einen Abbau im Stollenbetrieb zu errichten, der aber nicht die erwarteten Erfolge brachte und um 1878 aufgegeben wurde.

1888: Die Stedtener Grube "Walters Hoffnung" wird von den Riebeckschen Werken aufgekauft.

Diese Brikettpresse aus dem Jahr 1912 tat bis 1994 in der Brikettfabrik Stedten ihren Dienst und steht seit ihrer Aufarbeitung als technisches Denkmal vor der ROMONTA GmbH in Amsdorf.

1893: In Röblingen II wird südlich des Dorfes der Schacht "Credner" geteuft und eine Brikettfabrik errichtet. Ein Teil des Grubenfeldes wurde als Tagebau aufgeschlossen. Südlich des "Credner" gab es früher noch einige private Kleintagebaue, von denen heute noch Wasserlöcher zeugen.

1899: Die Grube "Robert" bei Wansleben geht in den Besitz der Riebeck-Werke über. Auf dem Gelände des Betriebes, zu dem eine Naßpreßanlage und ab 1903 eine Brikettfabrik gehörte, wurde der Schacht "Fürstenberg" geteuft.

1905: Beginn der Produktion von Montanwachs auf der Grube "Robert".

1906: Im Südwesten Amsdorfs wird von den Riebeckschen Werken die Grube "Rießer" als Tiefbaubetrieb eröffnet und ein Kraftwerk gebaut.

1912: Westlich der Grube "Walters Hoffnung" bei Stedten wird ein neuer Tagebau aufgeschlossen und eine Brikettfabrik errichtet.

Röblinger Revier um 1913
1915: Eine weitere Montanwachsfabrik wird auf der Grube "Walters Hoffnung" in Stedten errichtet. Sie wird 1923 durch ein Feuer vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut.

1920: Auf der Grube "Rießer" in Amsdorf beginnt der Aufbau einer Großanlage zur Montanwachsgewinnung, die 1922 in Betrieb geht. Damit ist der Grundstein für die Produktion von Rohmontanwachs in Amsdorf gelegt, die heute den Kernbereich der ROMONTA GmbH bildet, die mit ihrer Produktion den größten Teil des Weltmarktbedarfs abdeckt.

1921: Die Aufschließung des Tagebaues Etzdorf beginnt. Die Förderung erfolgt bis 1967.

1932: Die Gruben "Credner" und "Kupferhammer" stellen die Förderung ein.

nach 1945: Die Riebeckschen Montanwerke im Röblinger Revier werden fortan als Braunkohlenwerk Oberröblingen geführt. Der "Credner" wird 1949 umbenannt in Brikettfabrik Unterröblingen, aus "Walters Hoffnung" wird ebenfalls 1949 die Brikettfabrik Stedten. Der "Rießer" heißt künftig Montanwachsfabrik Amsdorf.

1963: Nach der mehrere Jahre andauernden Erschließung nimmt in diesem Jahr der Tagebau Amsdorf die Förderung auf.

1966: Die Stillegung einzelner Fabriken beginnt. Ab 1968 ist die Brikettfabrik Stedten bis zu ihrer Schließung 1994 der einzige Brikettproduzent im Röblinger Revier.

1968: Die Braunkohlenwerke in der DDR, welche bitumenhaltige Kohle abbauen und verarbeiten, werden zum Braunkohlenkombinat "Gustav Sobottka" mit Sitz in Röblingen zusammengefaßt.

1980 erfolgte auf einen Beschluß des Ministerrates der DDR die Bildung der Braunkohlenkombinate Bitterfeld und Senftenberg. Das Kombinat "Gustav Sobottka" wurde mit allen angeschlossenen Betrieben als Braunkohlenwerk Teil des Bitterfelder Kombinates.

Nach 1990 wandelte sich das BKK Bitterfeld zur MIBRAG. Das Montanwerk in Amsdorf wurde schließlich als ROMONTA GmbH privatisiert und wird die Tradition des Kohlebergbaues im Mansfelder Land bis weit ins neue Jahrtausend hinein fortsetzen.

[Quelle: http://homepages.compuserve.de/maikkx/h2/h2a.html]


zum Seitenanfang zurück zur vorhergehenden Seite Seite als email versenden Seite drucken
| l a n d + l u f t | d o r f + l e b e n | h o f + k u n s t | w o r t + s p i e l | w e i n + b e r g |