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Mansfelder Grafen, Kanton-Hauptort und Mitschurin
Historisches




Die hiesige Region war spätestens um 3400/3000 v.u.Z. besiedelt. Fundstücke werden von Archäologen der sogenannten Salzmünder Kultur als Untergruppe der neolithischen Trichterbecherkultur im Mittelelbe-Saale-Gebiet zugeordnet,

Für Fachleute und Laien gleichermaßen beeindruckend erweist sich der Bronzedepotfund (1988) von Fienstedt. Etwa 2600 jahre alt ist dieser Tonkrug mit Deckel aus der Bronzezeit, gefüllt mit 47 Bronze-Objekten (weibliche Ornamente, Stücke vom Pferdegeschirr, Werkzeuge, Giessereirückstände). Der Fund befindet sich im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale).


50 v.u.Z. bis 375 Germanische Besiedlung der Römischen Kaiserzeit (Hermunduren)

375 bis 700 Völkerwanderungszeit
Thüringer Reich. 531 besiegten die merowingischen Franken die Thüringer und zerschlagen das Reich. (Provincia Thuringorum).

Seit 748 n. Chr. befand sich das Mansfelder Land fest in fränkischer Hand.
Christianisierung, Siedlung und Herrschaft im Zuge der festen Eingliederung Thüringens in das fränkische Großreich der Karolinger.

Das eroberte Land wurde in Gaue eingeteilt, hier bildeten sie zugleich ein Grenzterritorium zu den slawisch bevölkerten Gebieten, als dessen Grenze der Verlauf der Saale anzusehen ist. Die hier installierten Burgwarte dienten der Grenzsicherung und Grenzverteidigung. Stützpunkte der Franken wurden die drei Burgbezirke Salzmünde, Lettin (Liudeneburg) und Holleben (Hunlevaburg).

Hos- oder Hassegau, auch Hassago (780 Hassega, 802-815 Hohsegowe), zum hersfeldischen Missionsgebiet gehörend. Der nördliche Teil wird zur Keimzelle der Grafschaft Mansfeld. Mit Hoyer von Mansfeld, Graf im Hassegau wird 1050 der erste Mansfelder namentlich erwähnt.

Erste urkundliche Erwähnungen des Ortes:

1222 Finegestad
[Urkunde des Grafen Siegfried von Blankenburg für das Kloster Münzenberg bei Quedlinburg]

1288 Vinstede
[Quelle: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, 1893, Historische Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, Gustav Sommer]

1505 Finstede.

Daß Fienstedt ein seit undenklichen Zeiten besiedeltes Dorf ist, daß es der Vorort für einen größeren Bezirk gewesen sein muß – in kirchlicher Beziehung ist dies auch heute noch so –, erweist seine Geschichte, von welcher Seite wir sie auch betrachten. – Es hat seinen Namen seit der altthüringischen Zeit fast unverändert bewahrt. Den anglischen Sippen, die es begründeten oder benannten, fiel die „sehnige“ oder moorige Beschaffenheit des Quellgrundes, an dem sie sich niederließen, ebenso ins Auge, wie wir sie noch heute für wahrscheinlich halten. Aber der Siedelplatz war günstig: Wasser in Fülle, und rings in der Runde die ebenen, fruchtbaren und warmgründigen Ackerbreiten, ein Teil der seit alters waldarmen und offenen Gefilde Mitteldeutschlands.

Weihe ist eine Wüstung bei Fienstedt. Der Ort lag auf der linken Seite der Saale, gegenüber von Döblitz. Die Dorffläche bildete ein längliches Viereck und hatte einen Umfang von ca. 740 Metern. Weihe wurde schon sehr früh wüst, die Einwohner sind vermutlich nach Fienstedt gezogen, die Flur wurde zwischen Fienstedt und Gödewitz aufgeteilt. Gegen 1830 waren noch Gräben und Wälle zu erkennen. Beim Abfahren von Düngererde fand man viele graubraune Urnen. Heute steht an der Dorfstelle ein großes Gebüsch.
[Quelle. Erich Neuß: Wüstungskunde des Saalkreises, der Stadt Halle und der Mansfelder Kreise. Teil 2. Wüstungskunde der Mansfelder Kreise (Seekreis und Gebirgskreis). Weimar 1971]

Cyriacus Spangenberg (1528-1604), Sohn des Reformators Johannes Spangenberg, Chronist der Grafschaft Mansfeld:
Spangenberg erzählt auch manches über Irrung und Unglück im Dorfe: Feldhändel, Brandstiftungen, Viehstreitigkeiten, Sterben von Mensch und Tier; vom Wettermacher Doctor Pfeil, der ein alter Fienstedter Bauer war; von der Seuche im Jahre 1530, die nicht aufhörte, ehe man dem unlängst an eben dem Übel gestorbenen Pfarrer Johann Reiser den Hals mit einem Grabscheit abstach. Der Küster wollte nämlich gehört haben, wie der Verstorbene im Grabe schmatzte und um sich fraß. Damals starben vier Fienstedter Pfarrer binnen wenigen Monden hintereinander an der furchtbaren Seuche.

Fienstedts Seelsorger sind seit 1428 namentlich und in ihren Lebensumständen bekannt. Davon dreizehn allein aus katholischer Zeit. Der letzte war Cyriax Körber, der um das Jahr 1557 lebte, dann seine Köchin heiratete und als erster protestantischer Geistlicher nicht übel seines Amtes waltete. Aber vor ihm welche Schicksale und welche Männer oft! Der eine von seltsamen und ärgerlichem Wandel, der andere wieder unsträflich, der eine „wunderbatlicher Meßpriester“, der nach der Messe regelmäßig ein gut Teil Pflaumen verzehrte, und wenn ihn seine Bauern daraufuin anredeten, antwortete: „Ein paar Pfläumichen, ein paar Pfläumichen, was kann das schaden.“ Der andere absolvierte seine Beichtkinder mit einem langen Messer, das stets am Altare lehnte, überdies hatte er eine Köchin nach der andern. Jacobus Boltze, Lorentz Boltzens Sohn, begegnete uns schon. Paul Hartmann wieder war ein guter Vogelsteller, Herr George aber erzürnte sich in der Beichte über ein Pfarrkind, verlor auf den Ostertag die Sprache und ließ sich zum Sterben in die einsame Klus von Lüttchendorf bringen.

1442 erwarben die Grafen von Mansfeld (Volrath und Gebhardt VI.) die Herrschaft Friedeburg (erstmalig bereits 1264, aber nur kurz in Besitz) sowie den Bezirk des wüsten Schlosses Salzmünde u.a. mit Fienstedt.

Im Jahre 1450 wurde 1/3 der Bevölkerung in der Grafschaft Mansfeld ein Opfer der Pest, ebenso liegen Berichte über Epidemien vor aus den Jahren 1530 (großes Streben auch in Fienstedt), sowie 1549-1552, 1558, 1559, 1607-1616, 1626, 1636 und 1681.

Zwei Erbteilungen der Grafschaft Mansfeld: die erste (1501), nach dem Tode Volrads III., spaltete das Haus Mansfeld in die Grafen zu Mansfeld-Vorderort, -Mittelort, und -Hinterort. 1519 Hoyer der IV. beginnt mit Bauarbeiten größeren Stils am Schloß Friedeburg. 1563 Teilung Vorderort in Arnstein, Artern, Bornstedt, Eisleben, Friedeburg und Heldrungen. Fienstedt gehört zu Mansfeld-Vorderort, Friedeburg.

Die Zeit der Reformation und Gegenreformation brachte neue Turbulenzen in das Mansfelder Land. Während ein Großteil der Mitglieder der Vorderorter Linien (besonders Hoyer VI. von Mansfeld) weiterhin dem katholischen Glauben treu blieb, waren die damaligen Repräsentanten der Mittelorter Linie: Gebhard VII. sowie sein Sohn Jobst I. und Hinterorter: Albrecht VII. – nicht zuletzt durch die enge Freundschaft zu Martin Luther – glühende Verfechter des protestantischen Glaubens.

Als die Bauernkriege im Mai 1525 große Teile der Mansfelder Grafschaft verwüsteten, die Klöster geplündert waren, ließ Albrecht VII., die entbrannten Bauernaufstände blutig und mitleidslos niederschlagen. Nach dem Bauernkrieg säkularisierte Graf Albrecht auch die restlichen Klöster in seinem Anteil der Grafschaft Mansfeld (Mansfeld-Hinterort, ungefähr ein Fünftel des Gesamtgebietes: mit Eisleben, Schraplau, Mansfeld, Rammelburg, Allstedt, Rothenburg) und führte die evangelische Lehre ein, gegen den Widerstand eines Teiles der Mansfelder Grafen und des Kaisers. (Erster protestantischer Geistlicher in Fienstedt Cyriax Körber, um 1557, siehe oben.)

Bis 1562 war Fienstedt ein alter Gerichtshauptort, in dem die Grafen von Mansfeld viermal jährlich Rügegericht abgehalten haben. Zeugnis dieser bäuerlichen Rechtspflege sind auch die Bauernsteine sowie zwei Pappelringe auf dem Dorfplatz.

Es war aber auch alter Gerichtshauptort, wohl ehe noch die friedeburgische Amtseinteilung wirksam wurden: „Zu Finstett hält man jährlich vier Hochgerichte und auch vier Nachgerichte. Das erste Hochgericht Dornstag nach trium Regum, das andere die Woche Quasi modo geniti, das 3. Dornstag nach Trinitatis, das 4. Dornstag nach der Gemeindewoche, und die Nachgerichte allezeit 14 Tage darnach, da die, so in Hohegerichten gerügt worden, Abtrag machen müssen.“ Bis der Friedeburger Amtmann Achim Pentz, der harte Bauernschinder, diese Gerichte 1562 in die Salzmünder Schenke legte, sie verkleinerte, und die Fienstedter Bauermeister, welche diese Bauernsprachen ausrichteten, in ihren Rechten verkümmerte.

1579 erfolgt wegen der hohen Verschuldung der Mansfelder Grafen von 2,75 Millionen Gulden die Sequestration (Zwangsverwaltung). Teile gehören zu Kurbrandenburg (die sogenannte Magdeburger Hoheit), andere Teile werden kursächsisches Verwaltungsgebiet.

Im Jahre 1625 nimmt Wallensteins Armee Halle ein. Seine Truppen zogen auch plündernd durch die Grafschaft Mansfeld.

1636 besetzt der schwedische Feldmarschall Johan Banér (1596-1641) das Gebiet und drangsaliert die Bevölkerung („Jahr der Schwedengreuel“). In Halle wird die Burg Giebichenstein teilweise ruiniert. Weitere schwedische Besetzungen in den Folgejahren.

1636 brannte die Pfarre in Fienstedt ab, und weil auch das ganze Dorf verlassen war, gab es 14 Jahre hindurch keinen Geistlichen in demseben.
[Quelle: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, s.o.]

Gegen Ende des Krieges ist Fienstedt verlassen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), durch den die Pfarrstelle längere Zeit unbesetzt geblieben war, wurde im Jahre 1650 der junge Gottfried Zeidler (1623-1699) zum Pfarrer ernannt.
[Quelle: „Clerus Mansfeldicus ... In der gantzen Graffschafft Mansfeld, Von Lutheri Reformation an, bis auf gegenwärtige Zeit“, 1742]

In seiner Amtszeit wurde die Kirche, weil sie „gar baufällig“ gewesen, fast ganz neu gebaut und erheblich vergrößert (1662/1663).

Die St. Stephanskirche, deren mittelalterlicher Ursprung nur noch in Spuren am Turm erkennbar und die sonst ein Werk der geglückten Umbauten von 1662/63, 1730 und 1871 ist, war, wie in manchen Alt-Dörfern des Landes – das sind diejenigen nachweislich thüringischen Ursprungs – nicht das einzige Gotteshaus. So hat „hinter Fienstedt“ der Landrichter Caspar Schröter zu Ehren S. Annen eine Klause oder Kapelle erbaut. Ein loser Bube, der sie einst beraubte, mußte die Tat zu Friedeburg mit dem Leben büßen. An der westlichen Grenze der Fienstedter Gemarkung erstreckt sich das „Kirchenfeld“, der Karte nach schon auf Gorslebener Flur. Ob der Name eine letzte Erinnerung an die Annenkapelle ist?

Die Wirren des 30 jährigen Krieges hatten den Landstrich weitgehend entvölkert. Verwaiste Dörfer, die Bewohner an Krankheit oder Hunger umgekommen, geflohen oder vertrieben, und verödete Fluren bestimmten das Bild nach Beendigung des langen Krieges.

Besonders lange entvölkert blieben jene Dörfer, deren Bewohner sich nicht hinter die Mauern einer nahe gelegenen Stadt oder in Wälder hatten retten können. „Caduce Höfe“, deren Eigentümer nicht mehr nachweisbar waren, waren billig zu erwerben, und das Amt Friedeburg hatte großes Interesse daran, neue Besitzer zu finden und gestand ihnen sogar gewisse Vergünstigungen bei der Entrichtung von Abgaben und Steuern zu. Es war darauf bedacht, daß verödete Äcker wieder kultiviert, auferlegte Steuern und Abgaben so schnell als möglich wieder entrichtet und Zug- und Spanndienste wieder geleistet wurden.

Gottfried Zeidlers drittes Kind Susanna Elisabeth (1657-um1706) wurde am 16. März 1657 geboren und lebte bis zur ihrer Heirat (1684) mit dem neu ernannten Pfarrer von Detershagen und Schermen, Andreas Haldensleben, in Fienstedt.

Ihr Bruder Johann Gottfried (1655-1711) wurde1679 nach Fienstedt berufen, wo er 20 Jahre seinem erblindeten Vater als Substitut-Pfarrer beistand, Nach dem Tod des Vaters lehnte er die Pfarrstelle ab und ging nach Halle, wo er nach einige Zeit Auktionator der Universität Halle, die 1689, nachdem Halle seit 1680 zu Preußen gehörte, gegründet wurde.

Im 17. Jahrhundert starben sowohl die Mittel- (1602) als auch die Hinterorter (1666) Linien im Mannesstamm aus.

Seit 1680 Grafschaft Mansfeld Magdeburger Hoheit. Brandenburg-Preußen ist Oberlehnsherr. Fienstedt gehört zum Schraplauer kreis, Oberamt Friedeburg.

1710 starb der letzte auf Schloss Mansfeld wohnende Graf Georg III., und am 31. März 1780 ereilte dieses Schicksal auch den gänzlich letzten männlichen Mansfelder Grafen Josef Wenzel Nepomuk von Mansfeld-Vorderort-Bornstedt. Er verunglückte mit der Kutsche. Da sämtliche Lehen der Grafen Mannlehen und damit weibliche Nachkommen nicht erbberechtigt waren, fielen diese an die Lehnsherren zurück; namentlich an Kursachsen und Preußen als „Nachfolger“ des Erzbistums Magdeburg. (1780-1806 Königreich Preußen, Herzogum Magdeburg)

1730 Kirchenumbau.

„Die Fienstedt eigentümliche bäuerliche Struktur ist wohl noch erkennbar, aber nicht so deutlich wie noch vor hundert Jahren: 13 Vollspänner, aber nur 1 Halbspänner; nur 3 große, aber 11 kleine Kossaten. Die 13 Vollspänner – das ist der Kern der alten germanischen, der thüringischen Siedlung; die 11 kleinen Kossaten aber die Neuanbauer, die die sorbischen, immer wieder überfluteten Sumpfnester in der Saaleaue aufgaben, um auf die Hochfläche zu ziehen. Ein Wunder, daß Pfützthal aus diesem Grunde nicht auch wüst ward. Natürlich bedeutet das für die Zeit, aus der jene Zahlen überliefert sind (1780), kein Urteil über ethnische Verhältnisse. Die uns zahlreich aus dem Jahre 1558 überlieferten Namen der eingesessenen Familien lassen keine Spur slawischer Färbung mehr erkennen. Durch die Hinzunahme einer Reihe von Wüstungen ward auch die Flur weiträumig bis auf 2450 Morgen Acker und 86 Morgen Wiesen, und Fienstedt, das in alter Zeit die Saale nicht zur Grenze seiner Gemarkung hatte, gewann sie von Döblitz bis Mücheln. Hierzu kommen noch 10 Morgen Holzung – die untere Brenau bei Zörnitz. Doch die Weinberge nennt der magdeburgische Topograph von 1780 nicht mehr, obschon die Weinstöcke neben der Linde im Dorfsiegel und die Nennung des hl. Urban, des Schutzherrn des Weinbaus, auf der größten und ältesten Glocke, daran erinnern, daß auch Fienstedts Bauern einst Rebbau trieben. Nordöstlich des Dorfes liegt das Weinbergsfeld, hier an den Talhängen werden wir die einstigen Fienstedter Weinberge zu suchen haben.“
[Aus: Erich Neuß, Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld, 1938]

1734 Kurbrandenburg erläßt das „Auflassungspatent“, welches das freie Schürfen nach Bodenschätzen erlaubt. Es finden sich Bergwerke auch bei Fienstedt.

24.04.1757 Karl Heinrich Joerdend (Lehrer, Herausgeber von Schulbüchern, Lexika, Übersetzer) wird in Fienstedt geboren.

Während des 7-jährigen Krieges (1756-1763) mussten die Männer Kriegsdienst im preußischen Heer leisten. Die Rekrutierung von Soldaten in der Grafschaft Mansfeld erfolgte mit aller Brutalität.

Wieder hatten die Teile der Grafschaft Mansfeld, die unter kurbrandenburgischer, ehemals Magdeburger Hoheit standen, unter den Truppendurchzügen, besonders aber durch das die Truppen begleitende räuberische Gesindel schwer zu leiden.

Ein halbes Jahrhundert später hatten wiederum die Orte in der Grafschaft
Mansfeld, welche der preußischen Hoheit unterstanden, unter den Truppendurchzügen Napolens zu leiden. Auf seinen Befehl hin sollten dagegen die sächsischen Landesteile der Grafschaft verschont werden, da Sachsen nur unter dem Zwang Preußens am Krieg gegen Frankreich teilnahm.

Am Vormittage des 17. Oktober, drei Tage nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt, hatten Marschall Bernadottes Vortruppen unter General Dupont die Preußen bei Halle versprengt und zum Teil gefangen genommen. Kurz darauf rückte, von Schwittersdorf-Beesenstedt her, das preußische Regiment Treskow heran, das die 16000 Mann starke Reservearmee des Herzogs Eugen von Württemberg in Halle verstärken sollte.

Nach der Eroberung Sachsens und Preußens durch Napoleon und Etablierung des neuen Königreiches Westphalen (bestand zwischen dem Frieden von Tilsit 1807 und der Völkerschlacht bei Leipzig 1813), das von Napoleons Bruder Jerome als König regiert wurde, erfolgte eine Aufteilung des Landes in Departements, Distrikte und Kantone.

1807-1813 Fienstedt gehört zum Departement der Saale, Distrikt Halle. Das Distrikt Halle hatte 22 Cantone mit 152 Communen. Canton Fienstedt hatte eine Fläche von 2,59 Quadratmeilen (ca. 142 Quadratkilometer) und 2.813 Einwohner.

Der Canton Fienstedt enthielt folgende neun Communen: Fienstedt als Cantons-Hauptort, Drewitz und Zaschwitz, Benstedt, Gödewitz mit Pfützenthal und Salzmünde, Benkendorf und Quilschina, Müllerdorf und Zapfendorf, Eisdorf und Vilzenburg, Cöllme und Langenbogen, Teutschenthal.
[Quelle: Königl. Decret, wodurch die Eintheilung des Königreichs in acht Departements angeordnet wird. December 1807]
Maire ist ein Herr von Trotha.

Das Saale-Departement fiel größtenteils an Preußen zurück, das 1816 die Preußische Provinz Sachsen mit der Hauptstadt Magdeburg bildete. Fienstedt gehört um Regierungsbezirk Merseburg, Seekreis Mansfeld).

Am 22. Mai 1896 nahm die Halle-Hettstedter-Eisenbahn ihren Betrieb auf, sie verkehrte bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

1937 wird die Winterlinde des Ortes als Einzeldenkmal unter Schutz gestellt.

Bis 1950 gehörte Fienstedt zum Mansfelder Seekreis (Regierungsbezirk Merseburg in der preußischen Provinz Sachsen, nach Auflösung der Provinz Sachsen zum 1. Juli 1944 gehörte der Kreis seitdem zur neuen Provinz Halle-Merseburg, Regierungsbezirk Merseburg). Die beiden Landkreise Mansfelder Gebirgskreis und Mansfelder Seekreis wurden 1950 mit der Stadt Eisleben zum Landkreis Eisleben vereinigt.

Bodenreform. Enteignungen in Fienstedt (ab 100ha): A) Gut Nr. 45 und 47, 206,1 ha. 1929 Wilhelm Bedau. B) Gut Nr. 1, 100 ha. 1929 August Boltze. C) Gut Nr. 28, 101 ha. 1929 Curt Boltze. Pächter: C. Wentzel.
[Quelle: Bodenreform-Schwarzbuch Autor: Jürgen Gruhle]

1952 Kreisreform in der DDR, Fienstedt gehört zum Saalkreis im Bezirk Halle.

1952 Bildung einer der ersten LPG in der DDR in Fienstedt mit Musterstatut Typ III. LPG-Vorsitzender ist Alex Müller. Benannt wird die LPG nach Mitschurin.
„Dem Beispiel ... von Alex Müller, dem Vorsitzenden der LPG Fienstedt im Saalkreis, und der anderen Pioniere der Genossenschaftsbewegung folgten Tausende werktätiger Bauern.“
[Quelle: Walter Ulbricht, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Herausgegeben zum Parteilehrjahr 1966/67 auf Beschluß des Politbüros des ZK der SED vom 5. Juli 1966, Dietz-Verlag Berlin, 1969, Band 13, Seite 170 bis 248.]

1989

ab 1990 Land Sachsen-Anhalt, Landkreis Saalkreis.

Sanierung der Kirche. Nach 30-jähriger Unterbrechung hat die Gemeinde 1998 erstmals wieder den Heiligabendgottesdienst unter einem sicheren Kirchendach erlebt. Am 30. Mai 2000 konnte die Kirche mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht werden.

Bis zur Neubildung der Einheitsgemeinde Salzatal am 1. Januar 2010 war Fienstedt eine selbständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Westlicher Saalkreis.

[Weitere Quellen:
Baron von Galéra: Geschichte der Dölauer Heide
Festschrift HEILIGENTHAL Ein Ort und sein Schicksal im Wandel der Zeiten]






Hassegau um 1000
Hinweis auf einer Urkunde des Grafen Siegfried von Blankenburg
[Quelle: Zeitschrift des Harzverein für Geschichte und Altertumskunde; Jacobs, Eduard, 1833-1919 Vierter Jahrgang 1871, Erstes und zweites Heft, S.55]

Peter Ernst I. von Mansfeld-Vorderort
Peter Ernst (1517-1604) nannte sich von Mansfeld-Friedeburg. Er wurde Statthalter von Luxemburg und überliess die Verwaltung seinem Neffen, der der Linie Mansfeld-Bornstedt entsprang.
Silber-Taler
Silber-Taler 1594 aus Mansfeld, Vorderortlinie zu Friedeburg,
Peter Ernst, Bruno, Gebhard und Johann Georg
1587-1601.
Mansfeldische Chronik. 1572
Cyriacus Spangenberg Mansfeldische Chronica
Von Erschaffung und Austheilung der Welt, und insonderheit von der Graveschafft Mansfelt, und den alten und ersten Deutschen Königen und Fürsten ... Und von gemeinen Polittischen und Weltlichen hendeln, so sich in Friede oder Kriegsleufften in dieser Landart, Sachsen, Thüringen und am Hartz ... zugetragen ...
[Eisleben, A. Petri] 1572.
Mansfeld nach 1780
Die Grafschaft Mansfeld Kur Saechsisch und Kur Brandenburgischen Antheils. 1791

König Jérôme und
Königin Katharina von Westfalen
Sebastian Weygandt (1760-1836)
Öl auf Leinwand, 1810, Privatbesitz

Bahnhof Fienstedt
Bahnhof Fienstedt, kurz vor der Bahneröffnung der Halle-Hettstedter-Eisenbahn im Jahr 1896 (Sammlung Schramm).
10 Pfennigschein – Notgeld
14. Dezember1920
Der brave Mann den Pfennig ehrt.
Wenn er den Taler kühn begehrt.
Ehrt jemand den Zehnpfennigschein
Muß er wohl zehnfach braver sein...
Werner Eggerath
Werner Eggerath (1900-1977) wurde 1945 Landrat des Mansfelder Seekreises, 1947 bis 1952 amtierte er als Regierungspräsident (Ministerpräsident) des Landes Thüringen.
Mitschurin – Namensgeber der LPG
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